Generationenpreis

Generationenpreis für das Ehrenamt an Angela Deppe

Der Kreisvorstand der SPD Lichtenberg vergibt alljährlich drei Generationenpreise für das Ehrenamt. Auf dem Neujahrsempfang der SPD am 6. Januar 2006 wurde unsere Gesamtelternvertreterin für ihr beispielgebendes Engagement mit diesem Preis geehrt.

Die Laudatio hielt Herr Dr. Bert Flemming, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin.

Meine Damen und Herren,

wir kommen gerade von einer Demonstration, bei der es einem außen kalt und innen warm wurde.

Jahreswechsel haben es ja so an sich, einen Blick nach hinten und zwei nach vorn zu werfen. Dieser Jahreswechsel, der fünfzehnte nach der Wiedervereinigung, war für mich Anlass, die Realität mit dem zu vergleichen, was ich vor 15 Jahren erwartet und erhofft hatte. 15 Jahre sind eine kurze oder eine lange Zeitspanne. Aus der Rückschau: wie ereignisreich und wechselhaft waren 1915 – 1930 oder 1930 – 1945. Dafür waren die letzten 15 Jahre viel stabiler und ruhiger. Aber für uns alle, die sie erlebten, voller Veränderungen.

Erstaunlich für mich war, mit welcher Geschwindigkeit Verwaltungen, Organisationen und Parteien Professionalität im positiven wie im negativen Sinne entwickelten. Während zu Beginn Entscheidungen getroffen wurden, die dem gesunden Menschenverstand, der Naivität und teils dem Unwissen zu verdanken waren, entwickelten sich Bürokratisierung, Verrechtlichung und natürlich auch die durch persönliche Interessen geleiteten Aktivitäten diesseits und jenseits von Gesetz und Moral, fast wie im Westen.

Leider entwickelte sich die Gegenkraft die Professionalisierung der Bürger nicht im gleichen Maße. Meine Enttäuschung war, dass nach einem kurzen Protest meine Mitbürger in diesem Teil der Stadt wieder in die selbst gewählte Isolierung verfielen, nur das Räsonieren wurde etwas anders und lauter artikuliert. Ihnen schien die in der Demokratie notwendige Ausdauer, um Veränderungen herbeizuführen, zu fehlen. Viele hatten hier den Eindruck, dass man, um mitgestalten zu können, entweder im Westen oder in der SED sozialisiert worden sein müsste.

Dass dem nicht so ist, kann man ja an einzelnen Beispielen sehen.

Diese resignierende Einschätzung habe ich jedoch schnell beiseite gelegt. Schüler, Eltern, Lehrer, Bürger sind plötzlich aufmüpfig und lassen sich nicht einfach von einem Beschluss des Bezirksamtes einschüchtern. Der Beschluss des Bezirksamtes, das Coppi-Gymnasium mit dem Kant-Gymnasium zu fusionieren und dann das Forster-Gymnasium an den Standort Coppi zu verlegen, stieß und stößt auf Gegenwehr und auch bei mir auf Unverständnis. Zahlen und Fakten lassen nur den Schluss zu, dass das Bezirksamt nur die halbe Wahrheit sagt, dass Coppi geschlossen wird, aber Forster nie in Karlshorst ankommt. Dies hat zu dieser Aufmüpfigkeit geführt, die sich nicht gleich abspeisen lässt. Hier finden Demos statt, wird die Presse informiert, finden Konzerte statt, wird der Rechtsweg wie die Agitation genutzt und bei einem Rückschlag nicht die Flinte gleich ins Korn geworfen.

Eine solche Kontinuität im Protest setzt das Engagement vieler voraus. Da finden Treffen in Kneipen, Wohnungen und in der Schule statt, da wird diskutiert, wer mit wem redet, wer die Flugblätter druckt und wer die Demo anmeldet. Aber ohne den Motor, ohne ein Quecksilber, ohne eine Person, die immer wieder die Fäden in die Hand nimmt und allen Mut macht, funktioniert das nicht.

Heute die Demo, am 12.1. die Veranstaltung zur Eröffnung des ersten Bürgerbegehrens in Lichtenberg, für das Sie nachher unterschreiben können, alles dieses wäre nicht denkbar ohne eine Person, die wir heute würdigen wollen mit dem Generationenpreis für das Ehrenamt: Frau Angela Deppe.

05.03.2006 erstellt / zuletzt bearbeitet.